Projektbeschreibung

Am Rande von Viña del Mar, abseits von städtischem Lärm liegt das Gelände der Farm “La Granja”. Dort werden zwanzig Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren, die aufgrund ihrer geistigen Behinderung bisher keine Ausbildung erhalten haben, von einem Sozialpädagogen, einem Psychologen und fünf Handwerkern auf ein Arbeitsleben vorbereitet.  Auf der Farm werden nicht nur verschiedenste Tiere wie Gänse, Ziegen, Kühe, Hühner und Lamas gehalten, sondern auch intensiv Ackerbau betrieben. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden verkauft und der Ertrag hilft, das Projekt weiter finanzieren zu können. Es existiert außerdem eine Werkstatt, in der die Auszubildenden den Umgang mit handwerklichen Aufgabenstellungen lernen und kleinere Reparaturarbeiten machen, die im Projekt anfallen.

Die zwanzig männlichen Auszubildenden kommen morgens zu “La Granja” und arbeiten den ganzen Tag auf der Farm. Es gibt viele verschiedene Arbeitsbereiche. Neben der Werkstatt und der Landwirtschaft organisieren die Azubis auf dem Gelände auch Ausflüge und Führungen für Schulklassen, die etwas über ökologische Landwirtschaft lernen wollen.

Für die Freiwilligen besteht die Möglichkeit, in Abstimmung mit der Projektleitung in den verschiedenen Arbeitsbereichen tätig zu werden.

Erfahrungsbericht der Freiwilligen 2008/09 im Projekt “La Granja” in Viña del Mar, Chile

Seit August arbeiten wir, Nikolas Hubel und Franziska Parton, bei „La Granja” in Chile. Das Projekt für Menschen mit geistigen Behinderungen ist kein Gigant. Momentan betreut das Team zwanzig Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren. Die Verantwortlichen von La Granja sind sehr dankbar für den freiwilligen Dienst in ihrer Institution und schätzen unsere Arbeit. Chefin Kati, Sekretärin Anita, Köchin Julia, Psychologe Pablo und die vier Monitoren (Betreuer) Juan, Oscar, Monika und Fernando sind zwar unterschiedlicher, aber allesamt froher Natur. Ihr müsst demnach Herausforderungen oder Probleme nicht alleine bewältigen. Der Tag beginnt bei dem gemeinsamen Frühstück mit Betreuten und Betreuern. Um 8:30 Uhr beginnt dann die Arbeit in den fünf Bereichen: Landwirtschaft, Küche, Müllwiederverwertung, sowie zwei Industrieareale. Wir arbeiten immer getrennt voneinander und wechseln, sowie alle anderen, den Einsatzbereich regelmäßig. So können und müssen sich die Behinderten in verschiedenen Arbeiten ausprobieren. Wir nehmen demnach keine Sonderstellung ein, sondern arbeiten im selben Rhythmus mit den Behinderten zusammen und helfen dort aus, wo es nötig ist. Während Nikolas gerade Tiere versorgt und Tomaten erntet, hilft Franziska derzeit bei der Müllverwertung aus. Alle zwei Monate wechselt sich dein Einsatzbereich. Die Arbeit mit den Behinderten ist für uns beide eine völlig neue Erfahrung und gestaltet sich als sehr abwechslungsreich. Geprägt von den sehr unterschiedlichen Behinderungsgraden der Betreuten. Wie in jeder Arbeit gibt es demnach schwierige, aber auch sehr erfüllende Situationen.

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist die Übernahme der Betreuten durch Firmen. Nach mindestens zwei Jahren Ausbildung besteht die Möglichkeit einen Arbeitsplatz zu finden. La Granja unterstützt bei der Suche, Vermittlung und Einarbeitung. Durch diese ganzheitliche Arbeit konnte auf diese Weise schon vielen Männern und Frauen zu einer Festeinstellung verholfen werden. Einen dieser Erfolge durften wir vor kurzem miterleben. Ab März wird es auch wieder Arbeiterinnen geben. Im chilenischen Spätsommer kommen jährlich neue Betreute dazu. Zur Einweihung gehen alle gemeinsam ein Wochenende lang campen. La Granja organisiert regelmäßig Veranstaltungen zu besonderen Anlässen. Dazu gehören eine traditionelle Fiesta zum Nationalfeiertag und das alljährliche Fußballturnier. Dies sind unter anderem auch öffentliche Veranstaltungen, um das Projekt weiterhin publik zu machen. Das Gelände liegt zwischen Vina del Mar und Quilpue, abseits von viel befahrenen Straßen, dafür inmitten wild wuchernder Vegetation. Dort wo ein Lama alltäglich durch das Areal trottet und überraschend große Käfer unter jedem Stein ein Schläfchen halten. Rechne mit viel frischer Landluft, körperlichem Einsatz und hin und wieder auch mit kleinen Überraschungen. Im August 2009 feiert das Projekt den zwanzigsten Geburtstag, sodass du wahrscheinlich pünktlich zum Jubiläum deinen Dienst antreten kannst. Einen besseren Zeitpunkt kannst du dir also gar nicht aussuchen.