Projektbeschreibung:
In Chile müssen immer noch fast 5 Prozent der Bevölkerung mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Diesen Ärmsten der Armen, den Bewohnern sogenannter “Campamentos”, widmet sich die Wohltätigkeitsorganisation “Un Techo para Chile” (UTPCH). Ihr Ziel ist es, bis zum Jahr 2010 Chile frei von Campamentos zu bekommen. Vieles wurde dafür bereits getan. Doch es ist noch ein weiter Weg.
Der Name “Ein Dach für Chile” gibt Aufschluss über den größten Arbeitsbereich der Organisation, den Bau von Holzhäusern, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.
Der Aufgabenbereich von UTPCH ist aber noch viel weiter gefächert. Sie versucht, möglichst nahe an und mit den Leuten aus den Campamentos zu arbeiten. Dabei gibt es eine Abteilung für Mikrokredite, Gesundheitsbeauftragte, Geistliche sowie Freiwillige in den Campamentos, die z.B. Hausaufgabenbetreuung geben oder auch Kino in die Armenviertel bringen.
Der Hauptaufgabenbereich der deutschen Freiwilligen werden Workshops sein, die einmal wöchentlich angeboten werden. Dabei ist wirklich alles möglich, der Kreativität sind keinerlei Grenzen gesetzt und so reicht das Spektrum von Jonglieren über den Bau eines Lehmofens, Kochen oder Theater bis hin zu allerlei verschiedenen Sportarten. Dieser Bereich hat neben dem Spaß und Erlernen neuer Fähigkeiten die unglaublich wichtige Aufgabe, die Menschen zusammenzuführen und ihnen einen Ausgleich zu ihrem schweren Alltag zu ermöglichen. Außerdem sollen die Workshops ihnen zu erkennen geben, was selbst mit wenig materiellen Mitteln alles möglich ist und ihnen Motivation geben, ihre vorhandenen Chancen zu nutzen.
Den Bewohnern der Campamentos fehlen vor allem würdige Lebensbedingungen, eine angemessene Bildung und auch sexuelle Aufklärung, was dazu führt, dass der Großteil der Frauen bereits im Teenage-Alter ihr erstes Kind zur Welt bringt. Und hauptsächlich ist es auch die Motivation zur Freude am Leben, welche die Freiwilligen in die Campamentos zu bringen versuchen.
Der Lohn zeigt sich zum einen in den tausend kleinen und großen Erfahrungen, die man jeden Tag erlebt, und zum anderen in dem Dank und der Zuneigung, die man jeden Tag von Menschen zu spüren bekommt, die trotz ihrer elenden Situation eine unglaubliche Offenheit und Gastfreundlichkeit zeigen.
Weitere Eindrücke (auf Spanisch) könnt ihr auf www.untechoparachile.cl bekommen.
Toni Schilling
Erfahrungsbericht von Hannes, Freiwilliger 2008/09 im Projekt “Un Techo para Chile”
“Hey…schreibt doch mal einen Bericht über euer Leben, die Arbeit im Projekt und alles, was euch einfällt”. Das war ziemlich genau der Auftrag der lieben Hendrike aus dem Alegro Team.
Also fange ich einfach mal an mit meinem Leben. Der Einfachheit halber lasse ich die 19 Jahre, die kamen, bevor Alegro und “un techo para Chile” in mein Leben getreten sind, einfach mal weg und erzähle ein bisschen von meinem Tun hier in Südamerika.
Zusammen mit Toni, einem anderen Freiwilligen von Alegro, wurde ich nach Santiago de Chile geschickt, um hier bei “un techo para Chile” mein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren.
Wir haben beide vor diesem Jahr sehr wenig Spanisch gesprochen, weswegen sich die ersten Wochen auch als ein wenig schwierig gestalteten, besonders weil Chilenen nicht unbedingt dazu neigen, die deutlichste Aussprache an den Tag zu legen. Trotz allem haben wir doch relativ schnell eine schöne Wohnung gefunden und uns jetzt nach 3 Monaten auch im Projekt schon sehr gut eingelebt.
Santiago ist eine riesige Stadt und die Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen sind größer als ich es mir vorstellen konnte. Auf der einen Seite gibt es riesige amerikanisierte Malls und verspiegelte Bürotürme, die einem das Gefühl geben, man stünde mitten in Manhattan. Das andere Extrem sind die Campamentos, die Viertel totaler Armut, in denen UTPCH hauptsächlich aktiv ist unter dem Motto “2010 - sin campamentos”. Wer jetzt allerdings denkt, es lohne sicht ja gar nicht, dann noch einen Freiwilligendienst zu absolvieren, wenn ja 2010 eh alles vorbei sein soll, den kann ich beruhigen, es wird noch einige Jahre genug zu tun geben.
Die Menschen hier, besonders auch in den Campamentos, sind fast ausschließlich offen und freundlich mit einem guten Schuss südamerikanischer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit.
Toni und ich wohnen mit einigen Studenten aus Frankreich, Spanien und Österreich, sowie mit zwei Chilenen zusammen. Das Wetter ist momentan super, wir haben 30° bei täglichem Sonnenschein.
Nun ein wenig zum Projekt. UTPCH arbeitet in den Campamentos in ganz Chile. Es ist eine Organisation, die mit Freiwilligen zusammen Häuser für die Menschen aus den Campamentos baut, aber auch die Lebenssituation allgemein verbessern will. Das geht zum Beispiel auch dadurch, die Menschen weiterzubilden, zu motivieren und zusammenzubringen. Diese Arbeit geschieht in Form von Workshops, die von Freiwilligen in den Campamentos angeboten werden.
Toni und ich bieten momentan Jonglierworkshops für Kinder in verschiedenen Campamentos an und in anderen bauen wir Lehmöfen zusammen mit den Leuten. Bei diesen Workshops sind euren Talenten und eurer Kreativität allerdings fast keine Grenzen gesetzt.
Wir waren auch schon bei “construcciones” dabei, also beim Häuserbau. Im Januar werden wir wieder 2 Wochen losziehen, da sind die großen Sommerkonstruktionen, zu denen sich bereits hunderte Freiwillige eingeschrieben haben.
Es gibt also noch viel zu tun und die Arbeit macht wirklich größtenteils Spaß.
Natürlich ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Es gibt Momente, in denen man sehr an dem Sinn seiner Arbeit zweifelt oder daran, ob man wirklich etwas bewegen kann und Momente in denen es schwer fällt, zu sehen, unter was für Umständen die Menschen leben müssen. Auf der anderen Seite können solche Momente auch Kraft geben und motivieren.
Mich persönlich haben meine Erfahrungen hier dazu bewegt, viel nachzudenken und ich habe viele meiner Ansichten geändert oder relativiert.
Was fällt mir sonst noch so ein…Das Bier hier kann man definitiv gut trinken, den chilenischen Wein sowieso. An Palta gewöhnt man sich sehr schnell und Schuluniformen sind Pflicht.
Wer noch Fragen hat, kann sie natürlich stellen: hannes.von.fischer@gmail.com
Saludos de Santiago
Hannes






