Lagerfeuer und Soziokratie zur Vorstandswahl 2016, Altmark

Rund um das Lagerfeuer sitzen fast 20 Menschen und warten, dass die Moderation für diesen Abend beginnt. Andächtig, gespannt und aufgeregt sind wir zur Vorstandswahl 2016 zusammen gekommen. Die Stimmung ist anders als sonst. Dieses Mal soll es nicht auf das übliche: Wer zuerst “Hier” sagt wird Vorstand hinaus laufen. Kein Betretenes zur Seite schauen wollen wir wieder haben, sondern ein selbstbewusstes: “Ja, ich möchte Vorstand sein. Ja, ich kann das gut machen.”
Wie nur ist der Weg dahin?

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Der neue Vorstand wird gefeiert, Mai 2016

Manche von uns sitzen bereits zum 9. Mal im Kreis der Vollversammlung, andere zum 1. Mal. So unterschiedlich die Erfahrungshorizonte im Verein, so unterschiedlich die Wünsche und Ansprüche an die Arbeit im Vorstand.

Fiel in den ersten Jahres des Alegro e.V-. kaum auf, wer das Amt des Vorstands begleitete, das das Team insgesamt sehr klein und zentral von Berlin/ Frankfurt (oder) aus arbeitete, änderte sich die Rolle der drei Vereinslenkenden spätestens seit zwei Jahren maßgeblich.
Alegro arbeitet in verschiedenen Projekten zusammen – ganz offensichtlich sind die zwei Hauptakteure des Verein, das Süd-Nord und das Nord-Süd Freiwilligenteam.
Aktive des Vereins wohnen in Mannheim und Fulda und Kopenhagen und Jena und auch, noch, in Berlin. Nur zwei von zwanzig Personen kamen aus der Hauptstadt zu unserem wunderbar sommerlichen Himmelfahrtstreffen in die Altmark gefahren.
Die ursprüngliche Zentralität ist abgelöst von einer dezentralen Struktur des Vereins, die sich jüngst im digitalen Büro niederschlägt – unser Berliner Büro lösen wir zu Ende Mai 2016 auf.

Welche Rolle kommt demnach dem Vorstand zu? Wer kann und sollte diese Rolle ausfüllen?

Um zu Antworten zu kommen, wurden als erstes auf einem großen Papier die Wünsche und Erwartungen an den Vorstand aus der Gruppe gesammelt. Erfahrene Vorständler:innen ergänzten um dies und das und schließlich wurden sehr wenige Kreise um das gezogen, was der kleinste gemeinsame Nenner für uns als Vollversammlung ist. 1. Eine neue Versammlung im Mai 2017 organisieren, 2. als vertretungsberechtige Personen für die Menschen aus dem Verein und für Menschen von außen ansprechbar sein und 3. ein Interesse an den Projekten, die im Verein laufen – schließlich werden die auch vom Vorstand verantwortet.

Nach dieser Runde starteten wir den wirklich spannenden und neuartigen Teil des Abend – die Wahl nach soziokratischem Prinzip.
Auf das grundlegende heruntergebrochen bedeutet es eine Wahl des Vorschlagens und der Kreise. Jede Person darf eine andere Person vorschlagen und muss begründen, warum er oder sie besonders gut dafür geeignet ist das Amt des Vorstandes einzunehmen unter den oben genannten notwendigen Gesichtspunkten. Eine Blase der Wertschätzung umhüllt uns. Menschen, die vorher nie daran dachten Vorstand zu werden, sahen sich auf einmal ganz passend in diesem Amt, da mehrere Menschen gute Argumente für sie aussprachen.
Nach der Runde des Vorschlagend folgte eine Runde der Bedenken der Vorgeschlagenen selbst (“Oh, welch eine Freude von euch zu hören, dass ich Vorstand werden soll. Leider steht in diesem Jahr meine Masterarbeit an und ich will mich nicht übernehmen.”) oder von anderen Personen aus dem Kreis (“Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hans Dieter Vorstand wird. Er schafft so kaum seine Aufgaben im Verein.”)
Im Unterschied zum Mehrheitsentscheid, braucht diese Herangehensweise sicherlich mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Willenskraft der Teilnehmenden gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen. Der Gewinn liegt klar im persönlichen Austausch, im echten Miteinander und in einer Kultur der Wertschätzung, die gegenseitig ausgesprochen wird.

Mittlerweile ist es dunkel und das Feuer brennt lichterloh. Wir sehen unsere Gesichter, die sich entspannt haben und freudig auf das nächste Jahr blicken. Es gibt fünf Menschen, die vorgeschlagen sind, ohne Bedenken. Sie setzen sich zusammen und überlegen ein Szenario, wie alle fünf beteiligt sein können ohne durch eine aufwendige Satzungsänderung den Vorstand von drei auf fünf Menschen zu erweitern. Sie beschließen ein Vorstandsteam, bestehend auf Hanna L., Hannah O.,  und Ron J., zu bilden mit Mira N. und Laurids V. das Zukunftsteam, was über die benannten Minimalaufgaben hinaus gemeinsam wirken und Vereinsentwicklungsprozesse anstoßen will.

Der Verein wandelt sich. Ich bin erstaunt und glücklich darüber, dass wir dabei nicht vergessen unsere Werkzeuge des Zusammenseins zu erweitern, mutig sind diese auszuprobieren und jetzt mit einem zufriedenstellenden Ergebnis belohnt werden.

Doreen K.

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